Archiv für den Monat: Oktober 2015

Netzneutralität ist Geschichte

Es war wohl der Grundgedanke des Internets – die Netzneutralität. Damit gemeint ist das gleiche Recht für alle Daten, also die gleiche Übertragungsgeschwindigkeit. Die EU-Kommission hat diese nun fixiert. Das behauptet sie. Andererseits gibt es dabei eine Reihe Schlupflöcher, mit denen die Netzneutralität von den Providern umgangen werden kann. Sie werden als Spezialdienste bezeichnet. Welche das genau sein sollen, ist nicht festgehalten. Während ein Notrufsystem als Spezialdienst noch sinnvoll erscheinen mag, liegt der Verdacht aber nahe, dass Provider diese Dienste weiter auslegen – und dann natürlich dafür abkassieren.

Auch gibt es eine Klausel zur Netzüberlastung, also zu viele Daten, die gleichzeitig übertragen werden. Anbieter dürfen in einem solchen Fall die Geschwindigkeit drosseln. Davon könnten besonders die Streamingdienste betroffen sein. Und zieht man einen Rückschluss auf die Spezialdienste, tja, dann zahlen wir bald die Gebühr für den Streamingdienst und zusätzlich für die ausreichende Datenmenge.

Und tadah, die Telekom hat bereits einige Ideen für Spezialdienste veröffentlicht. So sollten „Videokonferenzen auch zu Stoßzeiten nicht ins Stocken geraten“, schreibt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG, Thimotheus Höttges (Stellungnahme Höttges). Es gehe dabei um Qualitätssicherung, die eben ein paar mehr Euro koste. Die Befürchtung der sehr weiten Auslegung von Spezialdiensten ist also sofort eingetroffen. Wem tuts weh? Am meisten wohl Start-Ups und Privatpersonen. Mit Netzneutralität hat das wahrlich nichts mehr zu tun.

Marty McFly und Doc sind da

Wo sonst hätten sie auch auftauchen sollen, als bei Talkshow-Mann Jimmy Kimmel. Ziemlich lustig! Allerdings finden Marty McFly und der Doc gar nicht so lustig, was wir in den vergangenen 30 Jahren geschafft oder eben auch nicht geschafft haben. Darf man auch mal weiter drüber nachdenken. Während mir die fliegenden Autos nicht so sehr fehlen (ok, wär auch fein), wär Frieden im mittleren Osten doch tatsächlich etwas, an dem wir in den letzten 30 Jahren hätten mehr arbeiten können!

Er fehlt so sehr

Apple veröffentlicht mit iOS 9.1 ein weiteres Update. Neben einiger Fehlerbehebungen, gibt es auch 150 neue Emojis. 150 – und doch ist noch immer kein Emoji dabei, das kotzt. Es gibt einen Nerd, ein Einhorn, einen Stinkefinger, das ist alles prima! Aber ich möchte doch so oft mein Würgen zum Ausdruck bringen. Stattdessen kann ich meinen Freunden jetzt mitteilen, dass ich Geldscheine ausspucke – na schön wärs. An der Realität geht das bei mir vorbei. Er fehlt mir so, der Kotzsmiley!

Fotos teilen verboten?

Während die Polizei Hagen bei Facebook postet, dass Eltern keine Fotos von ihren Kindern ins Netz stellen sollen, verbreitet sich ein Video der kleinen Mila aus Amerika rasant. Die Dreijährige ist in den Sänger der Band Maroon 5, Adam Levine verliebt. Sie erfährt, dass er geheiratet hat und rastet aus – natürlich wird dieser Moment von der Mutter aufgenommen und bei Youtube veröffentlicht (Mila rastet aus). Süüüüß kommentieren die meisten Nutzer.

Die Polizei Hagen schlägt wahrscheinlich beim Anblick lang danieder. Sie warnt, dass den Kindern die Fotos und Videos später peinlich sein könnten. Auch dieser Post hat sich schnell verbreitet. Und eventuell sind es die gleichen Nutzer, die das Video der kleinen Mila niedlich finden, die danach den Aufruf der Polizei teilen. Grenzt an Doppelmoral.

Aber es ist ja süß! Inzwischen durfte die Lütte ihren Star sogar treffen, in einer Talkshow. Wird ihr das später peinlich sein? Vielleicht. Vielleicht müssen wir uns aber einfach dran gewöhnen, dass mehr von uns bekannt und dauerhaft zu finden ist. Die Comedian Mirja Bös hat vor einigen Jahren ein Buch mit ihren Tagebucheintragungen veröffentlicht. Sie lacht drüber, Leser lachen drüber – obwohl es an sich peinlich ist (was schon der Titel „Unaussprechlich peinlich“ sagt).

Eltern sollten sich bewusst machen, was sie posten. Jugendliche, junge Erwachsene, Singles und Paare – alle sollten das, aber sie können für sich selbst entscheiden. Das können Kinder nicht. Sich an solchen Videos freuen darf man trotzdem – solange man nicht in ein paar Jahren mit dem Finger auf die Protagonisten zeigt, sondern mit ihnen drüber schmunzelt.

Ich kauf das nicht

Überraschungseier für Mädchen? Hat sich inzwischen seit einiger Zeit durchgesetzt und trotzdem steh ich jedes Mal an der Kasse und wunder mich drüber. Wer kauft das? Und warum? Müssen wir wirklich wieder solche Rollenbilder hervorholen? Mädchen spielen nur mit Feen und Elfen und Jungs mit Autos?

In meiner Kindheit gabs das nicht. In meiner Jugend gabs Buffy, die Vampirjägerin – eine Superheldin, erschaffen von einem Feministen (Joss Whedons Equality Now Speech). Dann kam Twilight und eine eher untergebene Vampir-Freundin Bella.

Könnte Auswirkungen haben… und da hilft vermutlich auch keine Frauenquote, wenn Mädchen wieder Prinzessin werden wollen statt Ärztin.

Zum Glück sehen das noch mehr Menschen so. Bei Twitter gibt es unter dem Hashtag #ichkaufdasnicht reichlich Beispiele für Mist aus dem Supermarkt, der speziell für Mädchen und Jungs oder Frauen und Männer zugeschnitten ist.

 

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Her mit dem Superfood

In Zeiten, in denen der Glaube und der gesellschaftliche Halt besonders schwach sind, beginnt der Mensch vermehrt auf seine Ernährung und Gesundheit zu achten – das legen einige Studien nahe. Detox-Tee statt Messwein also und Kochsendung statt Tagesthemen. Kirchenaustritte steigen, die Wahlbeteiligung sinkt und im Netz gibt es eine schier unglaubliche Menge an Foodbloggern. Ja, ja, ja, ich bin dabei!

Heiße Hühnersuppe heilt! Die Asiaten leben eh besonders lange. Kombinieren wir beides und machen ein Superfood draus:

Hühnerbrühe, Hähnchen, Brokkoli, junger Spinat und Pilze treffen auf Miso-Paste, Edamame und Chili. Dazu gibt es Reis und jawohl mindestens einen Tag mehr Lebenszeit.

Miso-Paste besteht vor allem aus Soja, Edamame sind unreif geerntete Soja-Bohnen. Beides ist nur im Asia-Laden erhältlich.

Facebook und die Identitäts-Datei

Erst kam die Schlappe vorm Europäischen Gerichtshof vergangene Woche, bei dem das Safe-Harbor Abkommen gekippt wurde. Nun muss sich Facebook in Belgien für einen Cookie rechtfertigen. Dieser wird im Web-Browser gespeichert und beobachtet das Nutzungsverhalten.

Belgische Datenschützer wollen das Cookie mit dem Namen Datr verbieten. Facebook nahm in der vergangenen Nacht mit einem Blogeintrag dazu Stellung. Das Cookie sei für die Sicherheit im Netz wichtig, da durch ihn Cyber-Attacken verhindert werden könnten. Durch die Beobachtung des Webverhaltens, könne festgestellt werden, wenn ein Rechner von Kriminellen gekapert wurde. Die gespeicherten Daten würde zudem nicht auf Personen zugeschrieben werden. Den Vorwurf das Facebook das Cookie nutze, um gezielt Werbung zu platzieren, sobald auch ein nicht Facebook-Mitglied eine Seite mit dem eingebauten Like-Button aufruft, wird wehement abgewiesen.

Ein Urteil wird in den kommenden Tagen erwartet. So langsam könnte es eng werden für das US-Unternehmen. Für die Nutzer allerdings wäre es sicherlich vorteilhaft, wenn endlich mehr europäische Regularien für Facebook gelten und der Datenschutz gestärkt werden könnte.

Und falls nicht, könnte ja noch ein neuer Blocker entwickelt werden. Facebook zahlt dann an die Macher viel Geld, ihn umgehen zu können und die Entwickler sammeln trotzdem weiter Spenden für ihr ach so sauberes Tool. So ungefähr läuft das zumindest bei den AdBlockern von Eyeo.