Archiv für den Monat: November 2015

Virtual Reality bei Youtube

Wer schon mal eine Virtual Reality (VR) Brille vor den Augen hatte, weiß welch großes Vergnügen das ist – man ist absolut drin im Geschehen, so sehr, dass einem bei einer virtuellen Achterbahnfahrt schon mal schlecht werden kann.

Bisher gab es einige extra zur Verfügung gestellte Apps mit Videos und Spielen für die Darstellung. Nun hat Youtube verkündet ab sofort VR-Videos zu unterstützen. Video auswählen, VR-Symbol klicken und das Smartphone in die Brille stecken – so einfach solls gehen. Ich weiß jetzt, was ich am Wochenende mache!

Die entsprechenden Brillen gibt es im Internet schon ab wenigen Euro zu kaufen. Modelle aus Pappe reichen völlig aus.

Die spinnen die Finnen

Finnland ist das erste Land mit eigenen, länderspezifischen Emojis – noch dazu mit nackten! Zunächst gibt es zwei Menschen in der Saune, einen Headbanger und den Handyklassiker, das Nokia 3310, weitere sollen folgen. Die Emojis stecken in einem Adventskalender von ThisisFinland, ab dem 1. Dezember werden also jeden Tag neue veröffentlicht.Bissl verrückt. Vermutlich wird das Saune-Emoji aber bald das meist benutzte. Bei dem Nokia zweifel ich noch etwas, ob man den wirklich je brauchen kann.

Wie würden deutsche Emojis ausschauen? Bier, Fußball – gibts ja schon. Eine Bratwurst wäre noch fein. Und ein Hackebeil für Hannover.

Finland-Emoji-Nokia Finland-Emoji-Headbanger

Fotocredit: ThisisFINLAND / Bruno Leo Ribeiro

Twitter lässt Herzen sp(b)rechen

Die Twitter-Gemeinde ist empört, ja es bricht ihr buchstäblich das Herz. Denn statt der Sternchen, mit denen man bislang Tweets favorisieren konnte, gibt es jetzt plötzlich Herzchen, die gefällt mir bedeuten. So soll Twitter vereinfacht und universell verständlicher werden (Erklärung von Twitter). Das ist kindisch. Sterne sind viel erwachsener. Natürlich echauffieren sich da so viele Nutzer – vermutlich noch ein, zwei Tage lang. Dann haben sich alle dran gewöhnt und es ist vergessen.

Ärsche Gentrifizierung Herzversagen KleinerPrinz Messer Poesiealbum Unbenannt

Seit Kurzem lassen sich auf Twitter Umfragen starten – mit der Sternchen-Herzchen-Debatte kann man diese neue Feature wundervoll promoten.

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Instagram is fake! Überraschung?

Eine Australierin macht Schluss mit Social Media und wird dafür gefeiert. Essena O’Neill erkläre wie viel Inszenierung in ihren Fotos auf Instagram steckt, wie viel Geld sie für das Promoten bestimmter Kleidung bekommen hat und wie es sie zerstört hat. Hunderte Fotos habe ihre Schwester machen müssen, bis ihr eines gefallen hat – dabei habe sie ihre Schwester schon angeschrien, schrieb sie unter das Foto mit dem Bikini. Am Ende habe sich O’Neill selbst nicht mehr auf den Fotos erkannt und sich entschieden alle Kanäle zu schließen (inzwischen ist der Instagram Account gelöscht).

Ja, aber ist das jetzt eine Überraschung, dass Bloggen anstrengend und nicht authentisch ist? Selbst fürs private Album macht man meist mehrere Aufnahmen. Bis ein Selfie gefällt, dauert es wohl auch häufig etwas länger. Natürlich sitzt auch bei einer professionellen Bloggerin kein Foto sofort. Und für die zig Versuche bis zum perfekten Bild, bekommt sie eben Geld und viele Likes. Es ist nicht das perfekte Leben, was dort gezeigt wird, sondern ein Job. Und auch 16-Jährige wissen in aller Regel, dass Blogger Geld verdienen.

Solche Fotos täuschen einen glamourösen Alltag vor. Machen Frauenzeitschriften doch aber auch. Durchblättern macht trotzdem Spaß.

Obwohl O’Neill dieser Social Media Welt abschwören will, hat sie ihren Ausstieg perfekt inszeniert. Der neue Blog, der ja jetzt endlich authentisch sein soll, ist schon ausgiebig vorbereitet, die anderen Kanäle wurden erst nach und nach abgeschaltet (wenn auch wirklich jeder mitbekommen hat,dass sie einen neuen Blog hat). Statt von Firmen bezahlt zu werden, möchte sie nun von den Lesern Spenden bekommen – für wirklich wichtige Inhalte, wie Liebe, Veganismus und unseren Planeten. Man gut, dass das grad eh Trends sind. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht – aber man kann sich ja auch irren…

Groß, größer, Amazon

Ausverkauft, nicht auf Lager, nicht geführt – Probleme des stationären Handels. Ein Geschäft kann nunmal nicht alles da haben. Ein online-Händler schon eher und der Versand dauert oft auch nur einen Tag.

Amazon hat mit dem online-Verkauf bereits einen großen Teil des Buch-Geschäfts für sich eingenommen – jetzt wird der Internet-Riese noch größer und greift sogar direkt an. In Seattle gibt es seit heute tausende Bücher in einem Amazon-Ladenlokal. Neben jedem Titel soll dort ein Kärtchen mit Bewertungen anderer Kunden stehen. Nur Verkaufsschlager und Bestseller kämen in die Regale. Online und offline Vorteile würden so zusammengeführt, erklärt Amazon (Pressemitteilung).

Mit keinem Wort erwähnt wird, ob es auch Verkaufspersonal gibt, das je eins der Bücher gelesen hat. Dieter Bohlens Biografie „Nichts als die Wahrheit“ war auch ein Bestseller. Aussagekraft für die Qualität oder einen bestimmten Geschmack hat diese Sortierung also nicht. Da frag ich lieber den Bücherwurm im inhabergeführten Geschäft, ob er etwas empfehlen kann und bestelle bei ihm (zumindest versuch ich das!).

© Olli Waldhauer/www.olliwaldhauer.com

Brüste sind tabu

Bilder von Geschlechtsteilen und Fruchtbarkeitssymbole gab es schon als der Mensch noch in Höhlen wohnte, nackte Brüste auf Gemälden waren im Rokoko (das war im 18. Jahrhundert) unglaublich beliebt und zur Jahrhundertwende, als die Fotografie entstand, gab es bald Postkarten mit pornografischen Szenen, die unterm Ladentresen verkauft wurden.

Die Pornoindustrie hat sich immer sehr schnell neuen Formaten und Medien angenommen. Von der Fotografie über den Groschenroman zum Spielfilm und der VHS Kassette bis natürlich zum Internet. Doch mit Smartphones und Apps bekommt die Industrie nun ein Problem. Die großen IT-Konzerne, Facebook, Apple, Google und Co sperren Inhalte mit nackter Haut aus.

Auch der nächste Schritt in Richtung Virtual Reality wird kaum für Pornografie nutzbar sein, da die entsprechenden Inhalte vorwiegend über Apps laufen, hinter denen wiederum die IT-Konzerne stehen.

Nebenbei hat kürzlich der Playboy angekündigt auf erotische Fotos zu verzichten. Bei Facebook verbreitet sich ein Foto, das auf den Misstand aufmerksam machen will, dass Brüste tabu sind aber rassistische Kommentare nicht gelöscht werden.

Nackte Haut und Sex drohen damit in die tiefste Schublade des Tresens zu rutschen. Der Besuch im Museum ist dann bald ab 18 Jahren freigegeben. Für spezielle Kinderführungen werden kleine schwarze Balken aufgeklebt. Und im öffentlichen Raum tragen Skulpturen demnächst wetterbeständige Kleider.

Fotocredit: © Olli Waldhauer/www.olliwaldhauer.com

Wer hats unterzeichnet?

Die Überlegungen der Telekom, wie man mit Spezialdienstes Geld verdienen kann (vorheriger Blogeintrag), stoßen bei einigen Politikern auf Kritik. Linkenparteichefin Katja Kipping hat der Nachrichtenagentur AFP gesagt: „Wer auf die Überholspur will, muss zahlen, wer das nicht kann oder will, muss im Stau stehen.“ Konstantin von Notz (Grünen-Netzpolitiker) erklärte bei MDR Info, die Telekom mache die Internetnutzung von der Stärke des Portemonnaies abhängig und Lars Klingbeil von der SPD sagt bei heute.de: „Die Telekom-Interpretation von Spezialdiensten ist nicht das, was wir wollen.“

Nur, wer hat denn beschlossen, dass es diese Spezialdienste gibt? Eben jene, die sich jetzt wundern.

Lass das Huhn twittern

Das Huhn Betty hat einen eigenen Twitterkanal. Mit der Tastatur im Stall darf sie in die Tasten schnabeln, was ihr gefällt. Bei Youtube kann man Betty sogar beobachten (Betty schnabelt). Kommt nicht viel Sinnvolles bei raus. Ist aber trotzdem lustig. Der Bauer hofft währenddessen auf ein richtiges Wort und damit einen Weltrekord. Viel Glück! Mit einem Affen wärs sicher leichter.