Archiv für den Monat: Dezember 2015

Kein Jahr für Feuerwerk-Fans

Dieses Jahr ist wirklich bitter für Böller-Fans. Auf Facebook kursieren die Warnungen, dass doch bitte an die armen Hunde gedacht wird, die sich vorm Knall erschrecken. In der Nähe von Flüchtlingsheimen solle man sich mit dem Feuerwerk zurückhalten. Und nun bekommt auch noch Aldi Süd einen Shitstorm ab, weil eines der Silvester-Pakete, das es ab heute zu kaufen gibt, „Paris“ heißt.

Hey, die Pakete sind alle nach Städten benannt. Und wollten wir nicht alle so weitermachen wie bisher, dem Terror nicht nachgeben? Warum darf dann die Rakete, die hübsche Funken in den Himmel schießt, nicht Paris heißen? Nö, versteh ich auch als Nicht-Böller-Fan nicht.

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Silvester der Megabyte-Killer

Das Forum Mobilkommunikation aus Österreich rechnet damit, dass dort an Silvester drei Milliarden Megabyte an Grußbotschaften verschickt werden. Österreich hat acht Millionen Einwohner, Deutschland etwa zehn Mal so viele, also müsste sich auch das Datenvolumen verzehnfachen. Ergibt 30 Milliarden Megabyte. Die meisten Nachrichten werden allerdings keine SMS sein – die sind drastisch zurückgegangen. Multimedia Nachrichten sorgen für die gigantische Menge. Ich bin gespannt, ob da überhaupt noch was durchgeht oder das Netz vollkommen zusammenbricht – wie jedes Jahr.

Ohne Bankomatkarte geht nicht

In Hamburg war am Wochenende großer Netz-Aktivisten Kongress. Dabei zeigten zwei Berliner IT-Experten wie groß die Sicherheitslücken bei EC-Karten Systemen sind. Der PIN lässt sich anscheinend nach dem Bezahlen ziemlich leicht auslesen. Das Problem liege in den Protokollen für die Übertragung, die Poseidon und ZVT heißen. Mit massig Bargeld in der Tasche rumlaufen erscheint mir allerdings auch nicht wirklich sicherer. Zumindest gibt es mindestens so viele Warnungen von der Polizei vor Taschendieben.

Karsten Nohl und Fabian Bräunlein (SRLabs), die ihre Live-Hacks auf dem Kongress zeigten, riefen Einzelhandel und Kreditwirtschaft dazu auf schnell etwas zu ändern und Verbraucher dazu, bei Kartenmissbrauch gegen ihre Bank vorzugehen. Ich hoffe mit.

Gehasst und stolz drauf

Es gibt sie wirklich, die bösen Menschen, die den perfekten Gegner für Superhelden abgeben würden. Vielleicht ist Martin Shkreli sogar von Geburt an böse gewesen. Erst verteuerte der 32-Jährige ein bei Malaria und HIV überlebenswichtiges Medikament um satte 5500 Prozent, dann kaufte er das einzige Exemplar eines Wu Tang Clan Albums und ließ verlauten keine Eile zu haben, es auch zu hören.

Vergangene Woche wurde er dann wegen Betrugverdachts kurzfristig verhaftet. Und unterdessen kaperte jemand seinen Twitter-Account. „Ich bin nun ein Gott“ hieß es dort – aber vielleicht war es doch Shkreli selbst? Zuzutrauen wär es ihm. Solche Nettigkeiten schreibt er schließlich auch:

Shkreli

Hier gibt es ein wundervolles Schaubild, das zeigt, warum Shkreli verhaftet wurde.

Noch mehr virale Spots

Dieses Jahr scheint das Jahr der viralen Werbespots zu sein. Die neuste Geschichte handelt von zwei Brüdern. Es ist Werbung für den Whisky von Johnnie Walker. Doch halt, es ist gar nicht von dem Unternehmen in Auftrag gegeben worden. Zwei Filmstudenten aus Baden-Württemberg haben das Video gedreht. Ziemlich schön gemacht und dabei nicht so sehr die Moralkeule am Schwingen wie etwa Edeka es in „Heimkommen“ tat.

Vor kurzem hab ich für das RedaktionsNetzwerk Deutschland ein passendes Interview mit Guido Zurstiege, Professor an der Uni Tübingen geführt. Hier in voller Länge zum Nachlesen:

Werbespots, die in den sozialen Medien große Kreise ziehen, gibt es immer häufiger. Wie kommt das?
Über klassische Medien werden weniger Menschen erreicht. Auf den digitalen Kanälen kann zielgruppenspezifisch Werbung platziert werden, die lustiger und überraschender ist und so mehr Aufmerksamkeit schafft.
Warum nur auf den digitalen Kanälen?
Werbung folgt einem Bild des Zuschauers, der im Fernsehen nicht das sieht, was ihm am besten gefällt, sondern das, was ihm am wenigsten missfällt. Werbetreibende gehen davon aus, dass Menschen Werbung ertragen. Verstörende Werbung würde zu Ablehnung führen. Daher wurde bisher Werbung gemacht, die für alle akzeptabel ist. So entstehen typische Figuren wie die Jacobs Kaffee Frau oder der Melitta Mann. Niemand mag diese stereotypen Bilder, aber es eckt auch keiner daran an. Das ändert sich nun mit der Möglichkeit Rezipienten spezifisch anzusprechen.
Der Edeka Spot funktioniert also nur im Internet?
Die Edeka Werbung mit Friedrich Liechtenstein, der mit nacktem Oberkörper in einer Badewanne liegt, hätte wegen der Ästhetik vermutlich einen Teil des Kundenstammes verstört – die Oma wäre abgestoßen. Junge Zuschauer, über die der Spot im Internet verbreitet wurde, konnten ihn verarbeiten. Und die klassischen Medien erklären ihn dann sogar noch wieder der Oma, wenn sie darüber berichten.
Warum berührt uns die Edeka Werbung so stark?
Wir alle kennen so jemanden aber vergessen es nur zu gerne. Der Edeka Spot erinnert uns daran – freilich nicht ohne zu betonen, dass alles ein gutes Ende nehmen kann. Werbung ist eben die Kunst der barmherzigen Lüge.
Sind junge Menschen nicht irritiert, wenn ein Unternehmen wie Edeka sich als Moralapostel aufspielt?
Es wird immer üblicher, dass Unternehmen sich den großen Fragen des Lebens annehmen und der Zuschauer das akzeptiert. Früher war die Antwort in der Regal das beworbene Produkt, heute werden von den Unternehmen Geschichten erzählt. Kinder und Jugendliche sind es gewohnt, dass Botschaften und Medienkultur verbunden sind – etwa ein Buch, in dem es um eine Reise geht, die man buchen kann und die Hauptfigur der Geschichte, die es als Kuscheltier zu kaufen gibt.
Was ist mit dem Vorwurf, der Spot sei pietätlos?
Werbung muss immer mit der Norm brechen, um Aufmerksamkeit zu bekommen – deshalb kann man sich fragen, ob er pietätlos ist. Beim Thema Nächstenliebe in der Vorweihnachtszeit besteht aber kaum die Gefahr einer tatsächlichen Fehldeutung.
Geht die Zielgruppe tatsächlich eher in diesen als in einen anderen Supermarkt, wenn ihnen die Werbung gefällt?
Das ist zunächst nicht das Ziel. Es geht um eine langfristige Strategie. Die junge Zielgruppe soll gebunden und ein Image aufgebaut werden. Das kann später das Zünglein an der Waage sein.
Und wenn der nächste Edeka weiter weg ist als ein anderer Supermarkt?
Einen 100 Meter längeren Fußweg mit schweren Einkaufstaschen wird niemand wegen eines Werbespots in Kauf nehmen. Aber in der Zukunft wird der Einkauf anders laufen und darauf ist die Strategie ausgerichtet – in den Köpfen soll klar sein, dass www.edeka die Ware besser liefert als www.rewe.

Lecker Gurke – nicht für die Katze

Gnihihihihi, bisschen gehässig darf doch sein.

Diese Woche tauchten überall Videos von Katzen auf, die sich vor Gurken erschrecken. Haben die Tiere Angst vor dem Gemüse? Natürlich nicht, sie erschrecken sich einfach, wenn jemand heimlich etwas hinter sie legt – ob Gurke, Karotte oder Plüschtier ist egal.

http://ohmykorra.tumblr.com/post/135310734836