Kein schöner Gutmensch

Der Gutmensch ist zum Unwort des Jahres 2015 gewählt worden. Die Begründung der Jury aus Sprachwissenschaftlern klingt wie folgt: „Mit dem Vorwurf ‚Gutmensch‘, ‚Gutbürger‘ oder ‚Gutmenschentum‘ werden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert.“ Nun reagieren in den sozialen Medien viele Menschen damit, dass sie gerne Gutmenschen seien.

Hilfsbereitschaft und Toleranz sind schließlich allgemeinhin Werte, die in unserer Gesellschaft fest verankert sind. Wie kann darauf ein Unwort basieren? Wort des Jahres ist ‚Flüchtling‘. Mit ‚Un‘ wird das Attribut von Wort negiert, also ist das Wort des Jahres positiv und das Unwort negativ konnotiert. Rechtsgesinnte Gruppierungen benutzen das Wort ‚Gutmensch‘ auch in einem negativen Kontext.

Doch das Gegenteil von Gutmensch ist nicht Schlechtmensch. Es verhält sich wohl eher wie mit der Redewendung ‚Gut gemeint ist nicht auch gut gemacht‘. Schon Johann Wolfgang von Goethe schrieb eine Ballade über ‚Gutmann und Gutfrau‘, die mit Stursinn am Ende sich selbst schadeten. Wird ein bestimmter Weg als einzig guter Weg erachtet, droht daraus eine totalitäre Ideologie zu werden. Das Wort ‚gut‘ wird überspitzt benutzt und bekommt dadurch einen zynischen Zungenschlag – dem sich auch Adolf Hitler bediente, der abermals von guten Menschen sprach, die den Feinden helfen wollten.

‚Gutmenschen‘ sind politisch überkorrekt. ‚Wutbürger‘ entgegnen dem, denn ‚das wird man jawohl noch mal sagen dürfen‘. Im aktuellen Diskurs kann man ‚Gutmensch‘ und ‚Wurbürger‘ daher als Antonyme, also gegensätzliche Wörter betrachten. Was fehlt, im Sprachgebrauch und im Alltag, ist die Mitte.

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