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Wie mans macht, macht mans falsch

Es ist eine bewusste Entscheidung gewesen diesen Blog in den vergangenen Tagen ruhen zu lassen. Das dominierende Thema in den Medien war Paris. Natürlich gab es auch im Netz eine Vielzahl an Memes, Bildergalerien und Karikaturen, die sich mit den Anschlägen auseinandergesetzt haben. Wichtiger erschien mir allerdings die konkrete Nachrichtenlage in den klassischen Medien und weniger einen Überblick zu geben, wie Menschen im Internet damit umgehen.

Doch die Kritik an diesem Umgang wird immer mehr – an gefühlt allem und jeder Art von Umgang. Ich liebe die Partizipationsmöglichkeit, die das Internet bietet. Öffentliche Kommunikation hat sich dadurch verändert, Informationen sind für immer mehr Menschen zugänglich, immer mehr Menschen können informieren, die Hoheit der Medien eine Nachrichten-Agenda zu bestimmen wird verringert – und auch wenn genau da mein Job liegt und mit den sich daraus ergebenden Schwierigkeiten zu kämpfen ist, bin ich überzeugt davon, dass das Netz mehr Chancen als Risiken bietet.

Manchmal muss ich aber auch sehr schlucken, wenn ich den Browser starte. Kommentarfunktionen werden in diesem Land viel zu häufig genutzt, nur um Frust loszuwerden und zu kritisieren – und das wenig konstruktiv. Zum Thema Flüchtlinge und Hetze im Netz ist das bereits immer wieder besprochen worden. Nun, nach den Anschlägen in Paris, ist der Tonfall ein anderer, aber kritisiert wird doch sehr viel.

Bereits am Freitag Abend regten sich zahlreiche Nutzer bei Twitter auf, dass die ARD ihre Sportkommentatoren hängen lassen würde. Bestimmt war es nicht optimal, aber wie der Journalist Udo Stiehl ausführlich beschreibt, gibt es eben auch kein optimal in einem Krisenfall. Als die Germanwings-Maschine abstürzte, warf man den Medien vor zu viel zu berichten, obwohl es noch kaum gesicherte Aussagen gab. Nun war es den Zuschauern zu wenig. Wie mans macht, macht man es also falsch.

Das gilt inzwischen sogar für Privatpersonen. Facebook teilt sich in zwei Gruppen – die einen ändern ihr Profilbild in die Trikolore, die anderen posten Memes in denen es sarkastisch heißt: „Wenn noch eine Million Menschen ihr Profilbild ändern, gibt der IS auf.“ Das ist ungefähr genauso konstruktiv wie das Profilbild zu ändern. Beißt sich so nicht die Katze selbst in den Schwanz?

Wir sind Paris, wir stehen zusammen? Ja! Und bestimmt mit dem besten Wissen und Gewissen – da braucht es kein Zicken.