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Der Challenge-Wahn zieht seine Runden

Platsch, da ist das Kondom gerissen. Schwanger werden kann man davon nicht. Das Präservativ soll bei diesem Internettrend schließlich zerreißen. Und dafür wird es unüblicherweise über den Kopf gezogen. Die Kondom-Challenge ist ein neuer Auswuchs des Mutprobenwahns im Internet: Ein Kondom wird als eine Art Wasserbombe über dem Kopf fallen gelassen. Bizarrer geht es eben doch immer.

Am Anfang stand die Ice Bucket Challenge

Die Liste der Challenges, die im Internet für Belustigung sorgen, ist lang. Am bekanntesten war wohl vergangenes Jahr die Ice Bucket Challenge, bei der sich Menschen in aller Welt einen Kübel mit Wasser und Eiswürfeln über den Kopf gegossen haben. Mit dabei waren zahlreiche Prominente wie Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Helene Fischer. Damals hatte die Aktion allerdings einen ernstes Hintergrund – es wurden zum Spenden für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS aufgerufen. Mehr als 100 Millionen Dollar sollen bei der ALS Stiftung eingegangen sein.
Doch das Kondom über dem Kopf ist ausschließlich für den Spaß des Zuschauers gedacht. Auch die Teilnehmer lachen sich schlapp, besonders wenn das Kondom nicht wie geplant platzt. Darin liegt aber auch die Gefahr des Netztrends, mit Gummi vorm Mund atmet es sich nicht sonderlich gut. Ist auch noch Wasser darin, kann das beim Lachen in die Lunge geraten. Was als lustig empfunden wird, liegt im Auge des Betrachters. Sogar noch gefährlicher war vor Kurzem die Challenge, bei der ein Kondom durch die Nase geschnupft wurde.

Planking, Frozen Chook und Schmerztabletten

Pubertäre Mutproben erschienen früher harmloser. Auf den höchsten Baum zu klettern oder vom zehn-Meter-Turm im Freibad springen war unbedenklicher, es gab allerdings auch keine Möglichkeiten, Videos von seinen mutigen Taten zu teilen. Jetzt kann jeder zuschauen, kommentieren und auf den meisten Plattformen auch Bewunderung oder Ablehnung ausdrücken. Der Challenge-Wahnsinn zieht seine Runden. Und die Herausforderungen steigern sich schnell ins Absurde.
Beim Planking ging es darum, sich gerade wie ein Brett auf möglichst spektakuläre Weise hinzulegen, beim Frozen Chook fielen die Hüllen. Nackt, zusammengerollt und die Arme wie ein Hühnchen vom Körper abspreizen, sich fotografieren lassen und online stellen – das war schon alles, was man tun musste.
Als Mutprobe galt auch die Schmerzmittel-Challenge. Jugendliche in Großbritannien sollen sich gegenseitig dazu aufgefordert haben, so viele Tabletten wie möglich zu nehmen. Dabei kann es zu tödlichen Nieren- oder Leberversagen kommen. Ob die Kids tatsächlich etwas so Riskantes zum Spaß machen, kann immerhin bezweifelt werden. Sucht man nach dem entsprechenden Hashtag, finden sich fast nur Warnungen vor dem Missbrauch von Schmerztabletten.

Porno-Parodie auf Dagi Bee

Vloggern, also Blogger, die Videos bei Youtube von sich zeigen, binden häufig über Challenges die Zuschauer mit ein. Allen voran die bei Jugendlichen äußerst beliebte Dagi Bee. Sie lädt ihre Fans regelmäßig dazu ein, bei Schmink-Challenges mitzumachen und eigene Videos davon online zu stellen. Immer dabei sind Produktpräsentationen. Kann ich mich mit dem neuen Make-Up einer bestimmten Firma in nur drei Minuten schminken? Wie viel Geld die 21-Jährige inzwischen fürs Sponsoring bekommen hat, ist nicht bekannt. Dafür muss sie nun hinnehmen, dass eine Pornodarstellerin sie parodiert – dabei hält Doggy Bee, wie sich Luna Love in dem Video nennt, die Wimperntusche ähnlich nah in die Kamera, die Herausforderung liegt allerdings nicht in der begrenzten Zeit, sondern darin, dass sich ein Mann gleichzeitig mit ihr vergnügt. Love gewinnt ihre Challenge, und ihr darf hinreichend komödiantisches Talent nachgesagt werden.