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In Limbach steht die Zeit still

Dass es ein solch idyllisches Örtchen in Deutschland noch gibt, wunderlich. Aber Google behauptet es. Gibt man den Ort Limbach Oberfrohna ein, zeigt die Suchmaschine ein Foto der Kreisstadt nahe Chemnitz – darauf sind Scheunen und alte Autos zu sehen, eher Kutschen mit Dieselmotoren. Das Bild ist mehr als 100 Jahre alt und aus den Gründungsjahren der örtlichen Feuerwehr. Googles Algorithmus hat schlicht versagt.

Limbach

Sucht man bei Google nach Hannover, taucht an gleicher Stelle eine Luftaufnahme der Stadt auf, mit den Neuen Rathaus, Maschteich und Maschsee – eigentlich auch ganz schön idyllisch.

Googles häufigste Suchbegriffe

Das sind also die Top Suchbegriffe 2015.

  1. Sonnenfinsternis
  2. Pegida
  3. Flugzeugabsturz
  4. Dschungelcamp
  5. Paris
  6. IPhone 6s
  7. Griechenland
  8. Charlie Hebdo
  9. Helmut Schmidt
  10. Windows 10

Die meistgesuchten Fragen, die mit dem Wort „Was“ anfingen, waren:

  1. Was koche ich heute?
  2. Was ist Pegida?
  3. Was kostet ein Brief?
  4. Was kommt heute im TV?
  5. Was ist LIebe? und Was hilft gegen Sodbrennen?
  6. Was ist 0 geteilt durch 0?
  7. Was soll ich studieren?
  8. Was ist mein Auto wert?
  9. Was sind Pastinaken?

Reagieren manche Menschen auf Pastinaken mit Sodbrennen? Oder wie lassen sich diese beiden Fragen anders erklären?

Die meistgesuchten Fragen, die mit dem Wort „Wie“ anfingen, waren:

  1. Was ist meine IP?
  2. Wie wird das Wetter?
  3. Wie spät ist es?
  4. Wie geht es dir?
  5. Wie heißt du?
  6. Wie schnell ist mein Internet?
  7. Wie hoch ist der Eiffelturm?
  8. Wie geht es Michael Schumacher?
  9. Wie alt bin ich?
  10. Wie heißt das Lied?

Gibt es seit neustem ein Weltwetter? Ist der Klimawandel schon so weit fortgeschritten, dass überall das gleiche Wetter wie in Freiburg ist? Und steht die Uhrzeit nicht in aller Regal bei Windows unten rechts in der Ecke, beim Mac oben rechts und beim Smartphone wird sie sofort angezeigt, wenn ich den Browser schließe – also warum googelt man die Uhrzeit? Und woher soll Google mein Alter wissen? Über die Standleitung zur NSA?

 

© Olli Waldhauer/www.olliwaldhauer.com

Brüste sind tabu

Bilder von Geschlechtsteilen und Fruchtbarkeitssymbole gab es schon als der Mensch noch in Höhlen wohnte, nackte Brüste auf Gemälden waren im Rokoko (das war im 18. Jahrhundert) unglaublich beliebt und zur Jahrhundertwende, als die Fotografie entstand, gab es bald Postkarten mit pornografischen Szenen, die unterm Ladentresen verkauft wurden.

Die Pornoindustrie hat sich immer sehr schnell neuen Formaten und Medien angenommen. Von der Fotografie über den Groschenroman zum Spielfilm und der VHS Kassette bis natürlich zum Internet. Doch mit Smartphones und Apps bekommt die Industrie nun ein Problem. Die großen IT-Konzerne, Facebook, Apple, Google und Co sperren Inhalte mit nackter Haut aus.

Auch der nächste Schritt in Richtung Virtual Reality wird kaum für Pornografie nutzbar sein, da die entsprechenden Inhalte vorwiegend über Apps laufen, hinter denen wiederum die IT-Konzerne stehen.

Nebenbei hat kürzlich der Playboy angekündigt auf erotische Fotos zu verzichten. Bei Facebook verbreitet sich ein Foto, das auf den Misstand aufmerksam machen will, dass Brüste tabu sind aber rassistische Kommentare nicht gelöscht werden.

Nackte Haut und Sex drohen damit in die tiefste Schublade des Tresens zu rutschen. Der Besuch im Museum ist dann bald ab 18 Jahren freigegeben. Für spezielle Kinderführungen werden kleine schwarze Balken aufgeklebt. Und im öffentlichen Raum tragen Skulpturen demnächst wetterbeständige Kleider.

Fotocredit: © Olli Waldhauer/www.olliwaldhauer.com