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Prima Image für die Region

Die Region Hannover hat einen neuen Imagefilm vorgestellt. Es hat mich drei Anläufe gekostet, bis ich ihn zu Ende geschaut hab. Zwölf Minuten können lang werden. Und der Film lässt mich etwas ratlos stehen. Muss man einem seltsamen Quizmaster einen Anzug mit einem zerstückelten TV-Standbild anziehen? Zuschauer unter 35 Jahren kennen das Standbild doch gar nicht mehr. Quizshows sprechen überhaupt eher die Generation 50 plus an. Sollen mehr alte Menschen durch das Video angesprochen werden und als Touristen geworben? Hey, andere Städte setzen auf junge Unternehmen, Start-Ups – Hannover setzt auf Rentner!

Und muss die Frau wirklich einen blauen Morphsuit, blaue Perücke und knallrote Lippen tragen? Ein modernes Frauenbild sieht anders aus.

Schaut es euch selbst an…

Der Challenge-Wahn zieht seine Runden

Platsch, da ist das Kondom gerissen. Schwanger werden kann man davon nicht. Das Präservativ soll bei diesem Internettrend schließlich zerreißen. Und dafür wird es unüblicherweise über den Kopf gezogen. Die Kondom-Challenge ist ein neuer Auswuchs des Mutprobenwahns im Internet: Ein Kondom wird als eine Art Wasserbombe über dem Kopf fallen gelassen. Bizarrer geht es eben doch immer.

Am Anfang stand die Ice Bucket Challenge

Die Liste der Challenges, die im Internet für Belustigung sorgen, ist lang. Am bekanntesten war wohl vergangenes Jahr die Ice Bucket Challenge, bei der sich Menschen in aller Welt einen Kübel mit Wasser und Eiswürfeln über den Kopf gegossen haben. Mit dabei waren zahlreiche Prominente wie Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Helene Fischer. Damals hatte die Aktion allerdings einen ernstes Hintergrund – es wurden zum Spenden für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS aufgerufen. Mehr als 100 Millionen Dollar sollen bei der ALS Stiftung eingegangen sein.
Doch das Kondom über dem Kopf ist ausschließlich für den Spaß des Zuschauers gedacht. Auch die Teilnehmer lachen sich schlapp, besonders wenn das Kondom nicht wie geplant platzt. Darin liegt aber auch die Gefahr des Netztrends, mit Gummi vorm Mund atmet es sich nicht sonderlich gut. Ist auch noch Wasser darin, kann das beim Lachen in die Lunge geraten. Was als lustig empfunden wird, liegt im Auge des Betrachters. Sogar noch gefährlicher war vor Kurzem die Challenge, bei der ein Kondom durch die Nase geschnupft wurde.

Planking, Frozen Chook und Schmerztabletten

Pubertäre Mutproben erschienen früher harmloser. Auf den höchsten Baum zu klettern oder vom zehn-Meter-Turm im Freibad springen war unbedenklicher, es gab allerdings auch keine Möglichkeiten, Videos von seinen mutigen Taten zu teilen. Jetzt kann jeder zuschauen, kommentieren und auf den meisten Plattformen auch Bewunderung oder Ablehnung ausdrücken. Der Challenge-Wahnsinn zieht seine Runden. Und die Herausforderungen steigern sich schnell ins Absurde.
Beim Planking ging es darum, sich gerade wie ein Brett auf möglichst spektakuläre Weise hinzulegen, beim Frozen Chook fielen die Hüllen. Nackt, zusammengerollt und die Arme wie ein Hühnchen vom Körper abspreizen, sich fotografieren lassen und online stellen – das war schon alles, was man tun musste.
Als Mutprobe galt auch die Schmerzmittel-Challenge. Jugendliche in Großbritannien sollen sich gegenseitig dazu aufgefordert haben, so viele Tabletten wie möglich zu nehmen. Dabei kann es zu tödlichen Nieren- oder Leberversagen kommen. Ob die Kids tatsächlich etwas so Riskantes zum Spaß machen, kann immerhin bezweifelt werden. Sucht man nach dem entsprechenden Hashtag, finden sich fast nur Warnungen vor dem Missbrauch von Schmerztabletten.

Porno-Parodie auf Dagi Bee

Vloggern, also Blogger, die Videos bei Youtube von sich zeigen, binden häufig über Challenges die Zuschauer mit ein. Allen voran die bei Jugendlichen äußerst beliebte Dagi Bee. Sie lädt ihre Fans regelmäßig dazu ein, bei Schmink-Challenges mitzumachen und eigene Videos davon online zu stellen. Immer dabei sind Produktpräsentationen. Kann ich mich mit dem neuen Make-Up einer bestimmten Firma in nur drei Minuten schminken? Wie viel Geld die 21-Jährige inzwischen fürs Sponsoring bekommen hat, ist nicht bekannt. Dafür muss sie nun hinnehmen, dass eine Pornodarstellerin sie parodiert – dabei hält Doggy Bee, wie sich Luna Love in dem Video nennt, die Wimperntusche ähnlich nah in die Kamera, die Herausforderung liegt allerdings nicht in der begrenzten Zeit, sondern darin, dass sich ein Mann gleichzeitig mit ihr vergnügt. Love gewinnt ihre Challenge, und ihr darf hinreichend komödiantisches Talent nachgesagt werden.

Fotos teilen verboten?

Während die Polizei Hagen bei Facebook postet, dass Eltern keine Fotos von ihren Kindern ins Netz stellen sollen, verbreitet sich ein Video der kleinen Mila aus Amerika rasant. Die Dreijährige ist in den Sänger der Band Maroon 5, Adam Levine verliebt. Sie erfährt, dass er geheiratet hat und rastet aus – natürlich wird dieser Moment von der Mutter aufgenommen und bei Youtube veröffentlicht (Mila rastet aus). Süüüüß kommentieren die meisten Nutzer.

Die Polizei Hagen schlägt wahrscheinlich beim Anblick lang danieder. Sie warnt, dass den Kindern die Fotos und Videos später peinlich sein könnten. Auch dieser Post hat sich schnell verbreitet. Und eventuell sind es die gleichen Nutzer, die das Video der kleinen Mila niedlich finden, die danach den Aufruf der Polizei teilen. Grenzt an Doppelmoral.

Aber es ist ja süß! Inzwischen durfte die Lütte ihren Star sogar treffen, in einer Talkshow. Wird ihr das später peinlich sein? Vielleicht. Vielleicht müssen wir uns aber einfach dran gewöhnen, dass mehr von uns bekannt und dauerhaft zu finden ist. Die Comedian Mirja Bös hat vor einigen Jahren ein Buch mit ihren Tagebucheintragungen veröffentlicht. Sie lacht drüber, Leser lachen drüber – obwohl es an sich peinlich ist (was schon der Titel „Unaussprechlich peinlich“ sagt).

Eltern sollten sich bewusst machen, was sie posten. Jugendliche, junge Erwachsene, Singles und Paare – alle sollten das, aber sie können für sich selbst entscheiden. Das können Kinder nicht. Sich an solchen Videos freuen darf man trotzdem – solange man nicht in ein paar Jahren mit dem Finger auf die Protagonisten zeigt, sondern mit ihnen drüber schmunzelt.